Nur in einem Punkte begnügte sich die Dr.-Ing. h.c. F. Porsche KG hinsichtlich des 356 B, der ab September 1959 auf dem Markt erschien, mit Mittel-Maß: Alle Modelle hatten Motoren von 1,6 l Hubraum, zu wenig für eine Mitgliedschaft in der Loge der ganz Großen, recht viel schon, wenn man an die unprätentiösen Ursprünge denkt. Diese Selbst-Bescheidung der Stuttgarter entsprach genau dem nicht undankbaren Part, den sie sich im Rahmen des Regelwerks der internationalen Sportgesetze zugewiesen hatten – auf dem eigenen Felde kaum zu überbieten, ansonsten aber für jede Überraschung gut zu sein.
Leistung stand genug zur Auswahl: so etwa aus den 1582 cm³ der Stoßstangenmaschine 60 PS ("Dame"), 75 PS (Super) und, ab März 1960, 90 PS (Super 90). Mit der stärksten Ausgabe, der ihr Plus an Kraft aus Vergasern mit erweitertem Ansaugquerschnitt (40 gegenüber sonst 32 mm), vergrößerten Saugkanälen und Einlassventilen sowie einer Verdichtung von 9 : 1 zuwuchs, blies man frischweg zur Attacke auf einen Gegner aus eigenem Hause, den um 4000 Mark teureren Carrera de Luxe, denn sein Absatz schleppte sich nur zäh dahin. Krönung des Programms blieb indessen der Carrera GT als Offerte an die Sportfahrer unter den Freunden der Marke, dessen Viernockenwellen-Triebwerk aus 1588 cm³ 115 PS aktivierte.
Dass seine Form im Prinzip zehn Jahre lang nicht angetastet worden war, teilte der 356 auf dem europäischen Kontinent mit so unterschiedlichen Zeitgenossen wie dem Renault 4 CV (ebenfalls einer Porsche-Konstruktion), dem Peugeot 203 und dem Volkswagen. Umso mehr fielen die Veränderungen ins Auge, mit denen sich die B-Generation auf der Frankfurter IAA 1959 präsentierte. Vorn um 95 mm und hinten um 105 mm höher angesetzt, mit weit nach oben und unten ragenden Hörnern, hatte man massivere Stoßstangen, die jetzt der Karosserie nahe anlagen und über die Breite des Wagens nicht mehr hinausstanden. Die unten leicht nach hinten gekrümmte vordere Schürze war durchbrochen von Kiemen, die den axial verrippten Bremstrommeln aus Leichtmetall Kühlluft zuführten, und in gefälliger Abstraktion vereinfacht waren die Schallgitter innen neben neu gestalteten Blinkleuchten. Die Scheinwerfer blickten aus den Kotflügelspitzen, so hoch es eben ging, im Interesse einer optimalen Ausleuchtung der Fahrbahn. Der gleichen Zielsetzung diente asymmetrisches Abblendlicht.
Ausstellfenster, am Cabriolet schon seit 1957 Standard, gehörten jetzt durchweg zur Grundausstattung wie das schwarze schüsselförmige Lenkrad und der energisch zum Fahrer hin gekröpfte Schalthebel, der, selbst in Gedankenschnelle bewegt, das Sperrsynchrongetriebe des 356 B nie überlistete. Sitzschalen in der zweiten Reihe hinter den serienmäßigen Liegesesseln waren um 60 mm gesenkt, und ihre Rücklehnen ließen sich einzeln umlegen, so dass auch dann noch zusätzlicher Gepäckraum zur Verfügung stand, wenn nur ein Passagier die Entbehrungen eines Aufenthalts im Porsche-Fond auf sich nahm.