Am 11. Januar 1964 – die Produktion war bereits angelaufen – wurde der 330 GT 2 2 den Journalisten vorgeführt, die die Wallfahrt zu Enzo Ferraris jährlicher Pressekonferenz in Maranello nicht gescheut hatten. Der Applaus fiel eine Idee zu artig und pflichtmäßig aus, und kaum hatten sich einige der Pilger in die Abgeschiedenheit ihrer Schreibstuben zurückgezogen, brachten sie auch Kritisches zu Papier.
So Gregor Grant, Gründer und Chefredakteur der englischen Wochenzeitschrift Autosport in der Ausgabe vom 28. August 1964. Colonel Ronnie Hoare, Eigner der britischen Ferrari-Agentur Maranello Concessionaires, hatte ihm für ein paar Tage einen 330 GT zu treuen Händen ausgeliehen, und Grant ergriff die Gelegenheit freudig beim Schopfe. Gewiss, merkte er an, offenbare sich der Genius von Battista Pininfarina in jedem Zoll des neuen Vierliters, aber was das stämmige Heck anbelange, hätte sich der Meister wahrlich etwas weniger Prosaisches einfallen lassen können. Stirnrunzeln verursachten auch die Doppelscheinwerfer, mit denen sich der große Designer dem Diktat der Zeit-Mode fügte.
Ansonsten verriet das limousinenhaft-friedfertige Exemplar des 330 GT 2 2 zugleich, für wen er gedacht war, den sportiven Familienvater etwa, der auch einmal im Fond jemanden mitnehmen wollte. Denn dort, schrieb Gregor Grant, fänden durchaus nicht nur beinlose Gnome ausreichend Platz. Jedenfalls reisten auch vier Passagiere nach guter Ferrari-Sitte sicher. Das gewährleisteten der aus Rohren mit ovalem Querschnitt elektrisch geschweißte rigide Rahmen, Trapez-Dreieckquerlenker mit Schraubenfedern vorn, die an Längslenkern geführte Starrachse mit Halbelliptikfedern sowie Schraubenfedern um koaxiale Teleskopstoßdämpfer hinten.
2650 mm, 50 mm mehr als üblich, betrug der Radstand, und der Umgang mit dem Zweikreis-Bremssystem wurde durch die beiden getrennten Servoaggregate von Bendix-Bonaldi erleichtert. Das Werk gab an, mit den serienmäßigen Dunlop-Scheibenbremsen genügten
250 m Weg zwischen der Höchstgeschwindigkeit von 245 km/h und dem Stillstand.
Dieser Wert stellte wohl eine charmante Übertreibung dar, wie andererseits 300 PS für den gegenüber dem Interimsmodell von 1963 völlig überarbeiteten Zwölfzylinder-Motor (System Colombo), der zunächst an vier, dann an zwei Punkten am Fahrgestell aufgehängt war, eher zu niedrig gegriffen schienen.
Um die Mitte des Jahres 1965 erhielt der 330 GT 2 2 ein konventionelleres Gesicht mit lediglich zwei Scheinwerfern, und drei große Luftschächte hinter den Vorderrädern nahmen den Platz der Lamellen im Rhythmus 4/3/4 ein, die vorher die Belüftung des Maschinen-Kompartiments besorgt hatten. Die schönen, aber schwierig zu reinigenden Speichenräder von Borrani waren nur noch als Option erhältlich, da man Leichtmetall-Scheibenräder als alltagstauglicher befunden hatte, zum Leidwesen der konservativ gestimmten Ferrari-Gemeinde.
Ein reguläres Fünfganggetriebe löste die vier Fahrstufen nebst Laycock-Overdrive der ersten Baureihe ab. Hängende Pedale verringerten die Bein-Arbeit, und Extras wie Servolenkung und Klimaanlage trugen das ihrige zum Image des 330 GT 2 2 als eines zivilisierten Automobils bei, das sich auch weiblichen Händen willig und wohltemperiert unterordnete. Um die 1080 Käufer zwischen 1964 und 1967 wussten diese Kriterien zu würdigen.