Während die Besitzer ihre Emotionen im Allgemeinen spröde und unterkühlt wiedergeben, löst der Umgang mit einem Leih-Ferrari unweigerlich Euphorie aus, eine sonderbare Mixtur zwischen Andacht und Lampenfieber. Vor dem Einsteigen in den 500 Superfast habe er sich das letzte Stäubchen von der Hose geschnippt und den Kauf neuer Schuhe erwogen, schrieb der Tester von Car & Car Conversions im November 1967, und dann sachlich-pointierend, solche Automobile seien von vorneherein zum Objekt für Sammler prädestiniert.
Dass deren Zahl überschaubar blieb, dafür sorgte schon die geringe Verbreitung dieses Prunk- und Meister-Stücks der Carrozzeria Pininfarina, 36 Exemplare in zwei Serien à 24 und 12 nebst dem metallicblauen Prototyp auf dem Genfer Salon im März 1964 mit einer V-förmigen Aufwölbung über der Gemischaufbereitung, die später in einer etwas höheren Motorhaube eingeebnet wurde. Der
500 Superfast knüpfte unverkennbar an die Generationenfolge 410 und 400 Superamerica an – hier besonders das Coupé Aerodinamico. Allerdings waren seine Scheinwerfer nicht verkleidet, das lange Heck fiel am Ende unvermittelt ab, und die Flanken waren den Wechselfällen des Straßenverkehrs völlig schutzlos ausgesetzt. Es empfahl sich folglich, wie Car & Car Conversions schelmisch notierte, prophylaktisch noch einen weiteren Superfast in petto zu haben.
Mechanisch entsprach das Ferrari-Flaggschiff jener Jahre dem parallel gebauten 330 GT 2 2, und wie dieser wurde es 1965 leicht modifiziert: Hatte etwa bislang der Pilot vier Fahrstufen elektrisch ein Overdrive zugeben können, standen nunmehr fünf Gänge zur Verfügung, deren Schaltstock sich als recht widerspenstig erwies, solange das Getriebeöl kalt war. Noch nach dem Einlegen des fünften, staunte der Tester des englischen Blatts, habe der Superfast bei vollem Beschleunigen zwei schwarze Streifen auf die Fahrbahn radiert, beredte Zeugnisse für die ungestüme Kraft, welche der mächtige Zwölfzylinder entfessele, wenn er gefordert werde.
Die Modellbezeichnung 500 verwies auf den Gesamthubraum von rund fünf Litern. Im Prinzip entsprach das Aggregat dem seit den vierziger Jahren kontinuierlich weiterentwickelten Konzept des Ingenieurs Gioacchino Colombo, in seinen Dimensionen jedoch der Lampredi-Maschine seines Vorfahren 410 Superamerica. Die Verpflegung des Dutzends Verbrennungskammern besorgten entweder sechs oder drei Doppel-Fallstromvergaser des Hoflieferanten Edoardo Weber. Jeder einzelne davon sei so geräumig, dass man eine ganze Familie von gutgewachsenen Goldfischen darin verstauen könnte, scherzte Car & Car Conversions.
Aber man beklagte auch die hohe Investition von 11500 Pfund Sterling, mit allen Extras gar an die 14000, die der 500 Superfast seinem zukünftigen Eigner abverlange. Damit dieser das Lächeln nicht verlernte, musste er in der Tat zu den Beziehern eines gehobenen Einkommens zählen, wie das bei dem Filmstar Peter Sellers, dem mohammedanischen Heiligen Aga Khan und beim Schah von Persien zweifelsfrei der Fall war.
Der letztere bezog am 27. November 1965 sogar seinen zweiten Superfast, den zweiten übrigens der zweiten Baureihe…