![]() Von Louis Delage (1874-1947) ist handschriftlich die Aussage überliefert, er würde sich lächerlich machen, wollte er behaupten, dass seine Autos vollkommen seien. Perfektion sei nun mal nicht von dieser Welt. Aber er könne unbedenklich bestätigen, dass gegenwärtig kaum ein besseres Ganzes vorstellbar sei. Das waren keineswegs leere Worte, und sie bezogen sich auf die Achtzylinder, mit denen Delage 1929 in das Segment der Luxuswagen vorstiess, nachdem er sich bereits im Grand-Prix-Sport einen Namen gemacht hatte. Sein Mitarbeiter Maurice Gaultier zeichnete verantwortlich für ihre Motoren, aufwendig konstruiert mit einer kettengetriebenen seitlichen Nockenwelle, ihrer schwingungsgedämpften und gut ausgewuchteten Kurbelwelle in fünf großen Gleitlagern sowie hohlgebohrten Pleueln für bessere Öldurchblutung. Überhaupt wurde auf gute Schmierung großer Wert gelegt. Verblockt mit dem Vierganggetriebe, waren sie in ein konventionelles, stämmig verstrebtes und rigides Chassis eingebettet. Beide Achsen hingen an flachen Halbelliptikfedern, und die Kabelzugbremsen arbeiteten bereits mit einer Servounterstützung von Dewandre.
Beflügelt von Delages Slogan "La Belle Voiture Francaise" und dem lebhaften Interesse der Stars von Bühne und Leinwand, riss sich die Creme der französischen Auto-Couturiers förmlich darum, seine soliden Kreationen vom zweisitzigen Roadster bis hin zur feudalen Limousinen angemessen in Schale zu bringen. Chapron, Duvivier, Figoni & Falaschi, Fernandez & Darrin, Gaston, Grummer, Kellner, Letourneur & Marchand, Pourtout, Saoutchik oder van Vooren – das waren lauter erste Adressen in der Branche und die von ihnen eingekleideten Delage Seriensieger auf den Concours d'élégance.
Da war der D8, vorgestellt auf dem Pariser Salon von 1929, schon bis zu 100 PS stark und 140 km/h schnell mit dem langen Radstand von 3450 mm. Da war der D8S von 1931 auf einem niedrigeren Chassis, kürzer (Radstand 3310 mm), sportlicher und mit einer schärferen Nockenwelle und 125 PS zu über 150 km/h fähig. Da war ein Jahr später das Topmodell D8SS mit 3050 mm Radstand als Grand Sport, der 140 PS leistete und mit seiner Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h Furore machte, obwohl sein Chassis allein 1315 kg auf die Waage brachte.
Nicht annähernd so populär wie etwa der Wahlfranzose Ettore Bugatti, jedoch Champagner, Weib und Gesang von Herzen zugetan, feierte Louis Delage rauschende Feste auf seinem Château de Pecq oder seiner seetüchtigen Yacht Oasis. Aber immer mehr klafften sein Anspruch an das Leben und der Erlös aus den Verkäufen seiner erlesenen, aber seltenen Geschöpfe auseinander. 1937 wurden die Automobiles Delage, Paris, von Delahaye übernommen und ihr Gründervater mit einer kümmerlichen Rente abgespeist, Bedingung: er habe sich fortan aus allem herauszuhalten. Er hinterließ seinen guten Namen, hinter dem Signet Delage indessen verbarg sich künftig die Technik des früheren Konkurrenten.
Das galt zum Beispiel für den D8-100 von 1936 mit 4,3 Litern und ziemlich lahmen 90 PS, dessen Achtzylinder entstanden war, indem man einer Delahaye-Maschine mit sechs Verbrennungseinheiten zwei weitere angefügt hatte. Das galt für den D8-120 zwischen 1937 und 39, mit 4,7 Litern und 115 PS zu 160 km/h in der Lage und etwa in der Schweiz 200 Franken teurer als ein Bugatti 57 S. Erkennbar war er an vier außenliegenden Auspuffrohren in Chromschläuchen. Sein Cotal-Vorwählgetriebe wurde allgemein als große Erleichterung empfunden, und die Einzelradaufhängung vorn an einer Querblattfeder und Querlenkern verbesserte die ohnehin gute Straßenlage noch weiter. Louis Delage aber führte später ein Leben in Demut und unternahm zum Beispiel Pilgerreisen von Paris nach Chartre – zu Fuss.
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