Zum einhundertsten Geburtstag ihres Gründers Giovanni Agnelli im Jahre 1966 machte sich die Fabbrica Italiana di Automobili Torino, kurz Fiat, selbst ein Geschenk in Gestalt des 124 Spider. Das Präsent erwies sich als vital und ungemein zählebig und überstand sogar ein Exil in den USA zwischen 1976 und 1981 unbeschadet, wenn auch leicht geschwächt, da die strikten amerikanischen Emissionsbestimmungen einiges an Substanz kosteten. Schauplatz der publizistisch gebührend gewürdigten kleinen Feier war der Autosalon am Fiat-Standort Turin.
Dass der Erfolg des Spiders von Dauer sei, garantierte bereits seine klassisch-schlichte Linienführung aus der Feder von Sergio Pininfarina. Pikanterweise kleidete dieser auch die Konkurrenten von Alfa Romeo ein, aber so geschickt, dass den Besitzern Spielraum für zwei verschiedene Weltanschauungen blieb. Ohne die Ausstrahlung seines offenen Pendants musste das 124 Sport Coupé auskommen, ein Produkt des Centro Stile Fiat, das auf der Genfer Ausstellung 1967 seine Aufwartung machte, und so verschwand es 1976 wieder von der Bildfläche.
Was ihre mechanischen Komponenten anbelangte, so handelte es sich bei beiden Modellen um Seitentriebe der großen Serien. Konstant und zeitlos effizient blieb die Konzeption des Fahrwerks mit doppelten Querlenkern vorn, einer von vier Längslenkern und einem Panhardstab geführten Starrachse hinten sowie Schraubenfedern ringsum. Von bewahrender Denkungsart inmitten einer Ära von ergonomisch durchgefeilten Cockpits zeugte auch bis in die achtziger Jahre das Armaturenbrett hinter dem flach stehenden Dreispeichenlenkrad, ein Brett in der Tat nach Art der Urväter, mit Holzfurnier und plan, gerade und aufrecht von der Tankuhr links bis zum Handschuhkasten rechts außen.
Umso nachhaltiger bemächtigte sich die Evolution der Motoren. Zunächst sublimierten die Fiat-Techniker aus der simplen Stoßstangenmaschine der 124 Limousine eine solche mit zwei obenliegenden Nockenwellen, die von einem Zahnriemen angetrieben wurden. Hubraum und Leistung stiegen von ursprünglich 1438 cm³ und 90 PS über 1608 cm³ und 110 PS (1969) auf 1756 cm³ und 118 PS (1972). Mit den 1995 cm³ von 1979 setzte sich die Expansion der Zylinderinhalte zwar fort, aber gegenüber dem Vorgänger büßte das in den Limousinen 131 und 132 massenhaft verbreitete Zweiliter-Aggregat 13 PS ein. Eine Bosch L-Jetronic versorgte nun die vier Verbrennungseinheiten anstelle der herkömmlichen Vergaser von Weber und Solex. Die Verdichtung wurde von 8,9 : 1 auf 8,2 : 1 reduziert, um den Betrieb mit bleifreiem Normalbenzin zu ermöglichen, und ein in den Auspufftrakt integrierter Abgaskatalysator stellte sich möglicher Kraftentfaltung mäßigend entgegen.
Für die zweite Hälfte der siebziger Jahre nämlich schickten die Fiat-Strategen ihren in einer Nische der Carrozzeria Pininfarina in rund 30 Exemplaren je Tag gebauten Spider ausschließlich in die Vereinigten Staaten. Dieser Schachzug löste bei einer Reihe von Getreuen andernorts Bedauern und Unverständnis aus. Auf der Frankfurter IAA 1981 war
der offene 124 plötzlich wieder da, noch ganz im Amerika-Trimm, und wenig später machte man in der Vergangenheit Versäumtes auch verbal wieder gut. Denn nun hieß der Spät-Heimkehrer Spidereuropa, das älteste Fahrzeug im Fiat-Programm – und eines der attraktivsten.
Die finale Version Volumex mit mechanischem Kompressor und 135 PS, 1982 in Turin als Prototyp eingeführt und vom Sommer 1983 an für zwei Jahre produziert, machte ihrem Namen wenig Ehre: Unter den knapp 200 000 Exemplaren des 124 Spider insgesamt bildete sie mit rund 500 Einheiten nur eine verschwindende Minderheit.