Leichter und kompakter als der etwas behäbig anmutende XK-Vorgänger sollte er werden, und natürlich durften Jaguar-typische Stilelemente einschließlich einem „Retro-Ritt“ zum legendären E-Type nicht fehlen. Diese stilistische Wunschliste in schöne, klare Linien einzuarbeiten, hatte sich Jaguar-Chefdesigner Ian Callum beim neuen XK vorgenommen. Das Resultat kann sich partout sehen lassen, wenngleich sich die Verwandtschaft zu Aston Martin – dort war Callum ebenfalls Kreativ-Direktor und damit federführend für die Konturierung der neuen Modelle – nicht leugnen lässt. Doch nicht nur optisch ähneln sich die sportlichen britischen Vettern aus der großen Ford-Familie. Wie bei DB9 und Aston Martin V8 basiert der XK auf einem soliden, leichten Monocoque aus verklebten und vernieteten Aluminiumblechen. Dank dieser „Advanced Lightweight Vehicle“-Technologie bringt der XK nur 1595 Kilo Leergewicht auf die Waage und unterbietet damit sogar seine Cousins aus Gaydon.
Nach der Prototypen-Präsentation auf der Detroiter Autoshow 2005 hatte Callum seiner „Raubkatze“ noch ein wenig die Krallen gestutzt. Die aggressiv wirkende zentrale Auspuff-Einheit und die betonten seitlichen Lufteinlässe im vorderen Stoßfänger mussten braveren Lösungen weichen, denn „der Jaguar XK bietet die perfekte Balance zwischen Fahrdynamik und exklusivem Komfort – der Inbegriff luxuriöser Sportlichkeit.“ So sieht es Mike Cross, der für die Fahrzeugintegrität zuständige Cheftechniker. Welche Balance die betont spitzbrüstigen Models auf der IAA-Premiere des XK zu vertreten hatten, bleibt wohl ein Agentur-Geheimnis.
Dagegen gibt sich das Potential des V8-Motors mit 298 PS eher bescheiden, während der V8-Vetter von Aston Martin mit deren 385 aufwartet. Entsprechend kanalisieren sich die Fahrleistungen: 6,2 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h und eine – wenngleich elektronisch abgeregelte – Spitze von 250 Stundenkilometern. Sicherlich wird Jaguar eine kraftvollere Ausführung folgen lassen. Immerhin lässt sich die Sechsgang-Automatik im Modus „Sport Manual“ auch über Wippen am Lenkrad sequenziell schalten.
Mit seinem Komfort, Platzangebot und Allround-Charakter konkurriert der XK mit dem 6er-BMW und dem Maserati Coupé. Laut Cross bietet er eine ausgewogene Symbiose aus hoher Fahrdynamik und verwöhnendem Komfort. Dazu addiert sich eine ausgeprägte Sicherheitskomponente, die sich nicht nur auf Airbags, aktive Kopfstützen, Vierkanal-ABS, dynamische Stabilitätskontrolle, hervorragende Bremsen und Reifen mit Notlauf-Eigenschaften erstreckt. „Pedestrian Deployable Bonnet“ heißt die Zauberformal für ein System, das Zusammenstöße mit Fußgängern für beide Seiten glimpflich gestalten soll. Die Schutzvorrichtung besteht aus einem sensorgesteuerten Mechanismus, der im Falle eines Aufpralls die Motorhaube vor der A-Säule so anhebt, dass zu Motor und Windschutzscheibe eine Sicherheitszone entsteht. Damit wird die Verletzungsgefahr für den „Unglücksraben“ – ganz gleich, ob Mensch oder Tier – und die Fahrzeuginsassen gleichermaßen reduziert.
Er wäre kein echter Jaguar, wenn er nicht mit edlen Hölzern und feinem Leder im Interieur aufwarten würde: eine geschmackvolle Komposition, in die sich technische Elemente wie der rote Starterknopf, die Armaturen und der zentrale Touchscreen für Klimatisierung, Audioanlage, Navigation und Telefon harmonisch einfügen. Alles wirkt nobel und „very british“. Zu den exquisiten Innereien passen die bequemen, körpergerecht geformten Fauteuils. Bei so viel Reisekomfort werden Ambitionen nach mehr Motorkraft und hohem Tempo von vornherein unterdrückt. Für das im Sommer 2006 erscheinende Cabrio mag das ohnehin richtig sein, doch von einer richtigen „Raubkatze“ erwartet man zumindest den Instinkt ungezügelter Entfaltung.