Wer kennt sie nicht, die Motorsportlegende Alberto Ascari, Weltmeister 1953 und 54, wie sein Vater Antonio im Rennfahrzeug tödlich verunglückt. Dass ein bei Oxford gebauter, auf 50 Exemplare limitierter Sportwagen ebenfalls diesen klangvollen Namen trägt, ist eher als geschickt getarnte Reminiszenz an den großen Italiener zu sehen. Hinter Ascari, offiziell mit „Anglo Scottish Car Industries“ definiert (hier wurden zuvor die Ecosse-Flitzer gebaut), verbirgt sich mehr als nur die noble Sportwagen-Manufaktur des holländischen Autonarren Klaas Zwart (daher das Kürzel KZ).
Seine Ölmillionen hat Zwart in eine ganze Erlebniswelt für wohlhabende Sportwagen-Freaks investiert.. Das „Race Resort Ascari“ im Süden Spaniens lädt zur Club-Mitgliedschaft – für „läppische“ 150,000 Euro – ein. Hier hat Zwart eine fast fünfeinhalb Kilometer lange Rennstrecke mit allem flankierenden Schnickschnack bauen lassen, auf der mit eigenen Sportwagen – möglichst Ascari – oder Rennfahrzeugen der Race Academy nach Herzenslust Gas gegeben werden kann. Bevorzugte Club-Kluft: Die modischen Ascari-Rennoveralls, vom französischen Ausrüster „Stand 21“ maßgeschneidert für diese elitäre Klientel, die hier sogar Formel 1 fahren darf.
Viel Zeit hat der Perfektionist Zwart in die Entwicklung seines Sportwagen-Projektes investiert, denn alle Komponenten wurden ausgiebig getestet. Als Triebwerk wählte er den V8 aus dem BMW M5 (Baureihe E 39), dessen Fünf-Liter-Motor mit modifizierten Nockenwellen, geänderter elektronischer Steuerung und einer „heißen“ Auspuffanlage von 400 auf 500 PS aufgepäppelt wurde. Geblieben ist das maximale Drehmoment von 500 Newtonmetern. Placiert in der Mitte des bildhübschen Coupés mit Chassis und Karosserie aus Carbon, muss diese Kraftquelle lediglich 1275 Kilo bewegen, denn „erschwerende“ elektronische Fahrhilfen fehlen. Resultat: 320 km/h Spitze, da auch die Aerodynamik stimmt! Ein filigraner, gewölbter Heckspoiler, vollverkleideter Unterboden, der in den Diffusor mündet, seitliche Schweller und die Frontspoiler-Schürze integrieren sich in die harmonische Linienführung des KZ 1. Die geschwungenen, von zwei Rippen unterbrochen Kühllufteinlässe erinnern an den Lotus Exige, jedoch in eleganterer Ausführung.
Eine gekonnte Symbiose aus Eleganz und sportlichem Purismus spiegelt auch das Cockpit wider. Direkt im Visier des Fahrers: die beiden großen Rundinstrumente für Tacho und Drehzahl-messer unter einer gewellten Sichtblende. In einer Fluchtlinie vor dem konventionellen, ziemlich langen Schalthebel für das Sechsgang-Getriebe türmen sich Uhr, Drehschalter, Belüftungs-düsen und die restlichen Rundinstrumente übereinander. Die mit feinstem Leder bezogenen Sparco-Schalensitze passen wie angegossen, normale Körper-Statur vorausgesetzt. Lenkung, Fahrwerk und Bremsen erfüllen alle Normen für sportliches Fahren in Reinkultur. Die italienischen OZ-Räder mit sechs Doppelspeichen und die darauf montierten Pirelli-Pneus P Zero „grounden“ diesen „fliegenden Holländer“, von dem sich Zwart auch eine „beflügelte“ Rennversion für „Heimspiele“ auf iberischem Boden aufbauen ließ. 3,8 Sekunden im Sprint auf 100 km/h werden dem Leistungsgewicht gerecht. Für Zwart offenbar noch zu wenig, denn seine 40-köpfige Truppe arbeitet bereits am Folgemodell, dem A10, der es mit einem 600PS-Motor auf einige Zehntel weniger und eine Höchstgeschwindigkeit von 350 km/h bringen soll.
Der hohe Anteil von Handarbeit schlägt sich natürlich auf die Preise nieder. Der KZ 1 erleichtert ein gutgefülltes Konto, und das muss man schon vorweisen können, um rund 340.000 Euro. Für den A10, ebenfalls als 50er-Serie geplant, werden 510.000 Euro veranschlagt. Über Geld redet man nicht, entweder man hat es, oder fährt mit einem A3 (der von Audi - für 19.100 Euro) zum Auto-Veredler, kauft sich ein paar nachrüstbare Accessoires und träumt davon, in einem Ascari zu sitzen.