Wie ein feuriger Araber steht dieser Vollbluthengst im Ferrari-Gestüt, bläht kraftvoll seine Nüstern und wartet auf das Entree in den Parcours . Im 599 GTB Fiorano, der im Januar 2006 debütierte, sehen Kenner das schönste „Ross“, das seit dem 250 GT SWB anno 1961 den berühmten „Stall“ von Maranello verlassen hat. Zum typischen Ferrari-Maul, flankiert von vergitterten Luftkanälen und angedeuteten seitlichen Spoiler-Lippen führt über die langgestreckte Motorhaube eine nasenförmige Erhebung, die an die Bugspitze des Formel-1-Rennwagens erinnert. Diese Symbolik wird im Motorraum über der Vorderachse wiederholt. Dahinter, möglichst weit zurückversetzt, wiehern aus dem Zwölfzylinder-Testarossa 620 Pferdestärken. Die elegante Linienführung der ausladenden Kotflügel mit geschickt integrierten Belüftungsschlitzen setzt sich in einem gekonnten Hüftschwung bis zu den breiten Keulen mit runden LED-Rückleuchten fort. Der Kamm – also die Dachkontur – verjüngt sich von der Stirn zu den C-Säulen, zwischen denen und der Heckscheibe der Luftstrom zum Schweifansatz – sprich Abrisskante - dirigiert wird. Eine raffinierte, aerodynamisch effiziente Lösung wie auch der Diffusor mit zwei mächtigen Finnen. Form und Funktion par excellence!
Motoranordnung und Transaxle-Konfiguration resultieren in leichter Gewichtsverschiebung auf die Sprunggelenke der Hinterhand. Das Leergewicht von 1690 Kilo verteilt sich nämlich 47 zu 53 Prozent. Im Gegensatz zum 6-Liter-Triebwerk des Enzo wurde auf teure Titanpleuel und variable Ansaugtrackte verzichtet, und dennoch konnte das Gewicht der Kraftquelle reduziert werden. Alcoa-Alu-Spaceframe und -Karosserie tragen zu dem günstigen Leistungsgewicht von 2,7 Kilo pro PS bei. Gegenüber seinem Vorgänger, dem Maranello, hat der nach der Ferrari-Teststrecke Fiorano benannte 599 GTB dem bisherigen Potenzial eine neue Dimension hinzugefügt. Diese äußert sich beim Galopp aus dem Stand ( mit Launch-Control 0-100 km/h in 3,7 und 0-200km/h in 11 Sekunden ) ebenso wie beim „gestreckten“ Galopp mit einer Spitzengeschwindigkeit, die bei 335 km/h liegt. Dank des ausgereiften Fahrwerks mit speziellen Delphi-Dämpfern, der wohldimensionierten Scheibenbremsen und einer adäquaten Bereifung ( 245/40 ZR 19 vorn und 305/35 ZR 20 hinten ) für die Sternfelgen lässt es sich gut Fersengeld geben. Dabei ist die exakte 6-Gang-Schaltung, ganz gleich, ob konventionell oder modern via Wippen am Lenkrad betätigt, wie in der Formel 1 behilflich. Ebenfalls dem Motorsport entlehnt ist das Traktions-System „F1 Trac“. Der 599 GTB bietet also alle Voraussetzungen für ein gutes Rennpferd.
Entsprechend gibt sich der Innenraum dieses Coupés mit zwei Lederschalensitzen, die bereits die Führungen für Renngurte in der Nackenstütze aufweisen. Leder und Carbon fassen das Instrumentarium ein. Farbtupfer wie der zentrale gelbe Drehzahlmesser, passend zum Untergrund des springenden Pferdes, der rote Start-Knopf und der ebenfalls rote gehaltene „Manettino“ für das Fahrvergnügen ganz nach Gusto und Wetterlage unterstreichen das sportliche Ambiente des Cockpits.
Wer sich dieses rassige „cavallo“ in die gut behütete Box stellen will, muss mindestens 200.000 Euro berappen, ein angemessener Preis für den Beau unter den Supersportwagen.