Gegründet 1910, hatte sich Bristol bereits im Ersten Weltkrieg einen Namen als Lieferant von Kampfflugzeugen für die Royal Air Force gemacht. 1946 folgte der Automobilsektor mit der Lizenzfertigung des Vorkriegs-BMW 326. Während 1960 die Flugzeug-Division von der British Aircraft Corporation geschluckt wurde, ging die Bristol Cars Ltd in private Hände über. Seither fristet dieser Hersteller vornehmlich kleiner Sportwagen-Serien ein Nischen-Dasein, aus dem er gelegentlich ins Rampenlicht tritt, so 2001 mit dem Fighter, gefolgt von der bulligen S-Variante. Diese ist mit einem 660-PS-Triebwerk, dem V10 des Dodge Viper, bewaffnet, kraftvoll genug, um Attacken bis 338 km/h zu starten. Erstaunlich ist, dass der Fighter ohne auffälliges Spoilerwerk oder einen ausgeprägten Diffusor auch im Hochgeschwindigkeitsbereich am Boden bleibt. Dass seine Konstrukteure bei ihren aerodynamischen Kunstgriffen auf Know-how zurückgreifen können, entspringt wohl der Firmenvergangenheit. Dennoch fällt der Luftwiderstands-Beiwert sensationell niedrig aus - mit 0,28! Damit wird sogar der neue Porsche GT3 (0,29) geschlagen, von Aston Martin V8 Vantage (0,33), Ferrari F430 (0,34) und Koenigsegg CCR (0,35) ganz zu schweigen.
Der weit hinter der Vorderachse liegende Motor – wie beim SLR oder beim Ferrari 612 Scaglietti – sorgt für ein ausgewogenes Gewichtsverhältnis von 48 zu 52 Prozent zwischen Vorder- und Hinterachse. Wie beim legendären SL vergangener Tage ist der Fighter ein Flügeltürer. Diese Türen und die Heckklappe sind aus Gewichtsgründen aus Carbon gefertigt. Obwohl die Bodengruppe aus solidem Stahl besteht, bringt der Fighter S mit Aluminium-Karosserie und Überrollkäfig nur 1540 Kilo auf die BBS-Räder. Seine Beschleunigung von vier Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h ist identisch mit dem Ferrari F430, doch hinsichtlich der Reichweite schlägt er alle seine Konkurrenten. Dank eines optionalen 135-Liter-Tanks sind bei vernünftiger Fahrweise 1000 Kilometer ohne nachzutanken drin. Ein Langstrecken-Bomber wie einst der Bristol Blenheim!
Während die Armaturen und Schalterchen – teilweise in einer Überkopf-Konsole – die Atmosphäre eines Flugzeug-Cockpits verströmen, werden den Insassen die Annehmlichkeiten geboten, die sie auf Reisen erwarten. Das Interieur ist also „first class“. Und auch das Fahrwerk mit verstellbarer elektronischer Traktions-Kontrolle entspricht modernen Normen. Purismus ist nicht Bristol-like. Das edle Stück kostet in seinem Heimatland einschließlich VAT-Steuer eine Viertelmillion Pfund Sterling, direkt bei Bristol Cars in der Londoner Kensington High Street zu begleichen, denn ein Händlernetz gibt es nicht.