![]() Ohne Konstruktionspläne aber mit festen Vorstellungen fräste Kurt Lotterschmid 1992 an nur zwei Abenden aus einem Stapel Spanplatten die wohl interessanteste Sportwagen-Silhouette. Animiert durch die ersten Bilder des McLaren F1, skizzierte der gelernte Kfz-Meister, erfolgreiche Ex-Rennfahrer und begnadete Modellbauer Kurt Lotterschmid vor 14 Jahren die seitliche Kontur eines eigenen Super-Sportwagens und legte die Positionierung von Motor und Cockpit fest. „Dreidimensionales Zeichnen beherrsche ich nicht, von Computer-Graphik ganz zu schweigen, aber mit meiner Flex kann ich umgehen“, gesteht der technisch und handwerklich äußerst versierte Bajuware. Was er damals aus Spanplatten im Maßstab 1:4 zauberte, verdient den Respekt selbst renommierter Designer. Ganz gleich, aus welcher Perspektive gesehen, diese Kreation besticht durch harmonische Linienführung, eine einmalige Dachkonstruktion und elegante Detaillösungen wie das Kaschieren der A-Holme oder die rassigen Kühlluft-Kiemen, die sich bis in die nach oben schwenkbaren Türen fortsetzen. 2001 feierte der Prototyp der wohlproportionierten 4,1 Meter langen und über zwei Meter breiten Flunder seine Premiere. Doch die Fahrerprobung dieses Kraftprotzes nahm vier weitere Jahre in Anspruch. Einfach irre, was Lotec dem 6-Liter-V12 von Mercedes-Benz entlockt: Mit Lenz-TurboTronic und zwei speziellen KKK-Turboladern des Typs K27 werden bei 0,85 bar Ladedruck bereits 1000 PS und ein Drehmoment von 1100 Newtonmetern erreicht. Steigert man den „Boost“ auf 1,2 bar, donnern 1200 PS ( maximales Drehmoment 1320 Nm ) los. Ein Triebwerk der Superlative, die sich jedoch in der Fahrpraxis schnell relativieren, denn diese Urgewalten auf die Räder zu bringen, ist schwierig. Davon können die Fahrversuchs-Techniker des Bugatti Veyron ein Lied singen. Und auch dem inzwischen 64-jährigen Lotterschmid wuchsen ein paar zusätzliche graue Haare. „Mit meinem Lotec C1000, einem 854-PS-Renner, den ein Sammler aus Kalifornien gekauft hat, ließ es sich problemlos umgehen - bis zu einer Spitze von immerhin 374 Sachen. Doch als ich mit meinem Sirius bei der ersten Testfahrt im zweiten Gang Vollgas gab, registrierte das hinter mir fahrende Begleitfahrzeug eine Stichflamme und eine gewaltige schwarze Gummi-Abriebsspur. Angesichts des enormen Schubs war mir überhaupt nicht bewusst geworden, dass ich innerhalb einer Sekunde an den Drehzahlbegrenzer geraten war“, schildert Lotterschmid die Interruption seiner geplanten Beschleunigungs-Orgie. Weitere Tests ergaben, dass der Sprint von 0 auf 100 km/h in drei Sekunden machbar und das doppelte Tempo in unter neun Sekunden erzielbar ist. Einfach bombastisch dieser Sirius, benannt nach dem strahlendsten Fixstern im Sternbild des großen Hundes, etwa acht Lichtjahre von der Erde entfernt. Doch bleiben wir am Boden. Eine Traktionskontrolle könnte das Durchdrehen verhindern, würde aber vermutlich dabei selbst einen Kollaps erleiden. Lotterschmid ist Realist und würde sich bei einer Kleinserien-Produktion mit dem zahmeren Biturbo-Motor des SL AMG 65 ( „nur“ 612 PS ) bescheiden. Auch damit dürfte der lediglich 1280 Kilo wiegende, aerodynamisch hervorragend geformte Super-Sportler ein Star sein. Das Cima-Sechsgang-Getriebe, dessen Zahnräder auch bei Ferrari in der Formel 1 verwendet werden, ist für alle Leistungsstufen gewappnet. Damit der Sirius ein Fixstern bleibt und eine feste Komponente auf dem Sportwagen-Markt wird, verhandelt Lotterschmid mit Investoren, die ihm das gesamte Projekt, in dem viel Eigenkapital steckt, abkaufen. Für den 8. Mai 2006 hatte sich ein Interessent angesagt – aus China.
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